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Denk mal darüber nach!
by S. Sattler, Sa, 29. 04. 2006, 18:09

Die folgenden Geschehnisse sind frei erfunden. Teile daraus haben stattgefunden bzw. können so oder ähnlich stattfinden.

22:00:00 Uhr
Ich gehe in mein Bett, um 04:15 Uhr ist die Nacht zu Ende und die Arbeit ruft.

01:24:00 Uhr
Mein Pieper schrillt. Ich springe aus dem Bett und greife nach ihm.

01:24:10 Uhr
Auf meinem Pieper steht:

6320:LHF-B.1
F 2 ST
Beispielstr. 25 / Marzahn



01:24:15 Uhr
Ich ziehe mich an und hoffe das meine Familie nicht wach wird.

01:25:30 Uhr
Ich muss mich mal wieder über die Beifahrerseite in mein Auto quälen. Schade das ich häufiger zugeparkt werde, bewusst der Tatsache das ich bei der Freiwilligen Feuerwehr bin.
zugeparkt.jpg

01:26:30 Uhr
Auf der Wache angekommen springe ich in meine Schutzkleidung. Hose, Jacke, Stiefel anziehen, Helm aufsetzen, Feuerwehrsicherheitsgurt anlegen und die Atemschutzmaske nicht vergessen. Ich erfahre das es sich vermutlich um einen Wohnungsbrand handelt.

01:28:10 Uhr
Alle Kameraden sitzen auf dem Auto, der Maschinist (Fahrer des Löschfahrzeuges) startet den Motor. Die Anspannung steigt, was werden wir vorfinden. Das Adrenalin schiesst dem Maschinisten durch den Körper. Er muß jetzt höchste Konzentration bringen, um während der Fahrt niemanden zu gefährden. Der Angrifftrupp legt sich die Atemschutzgeräte an. Der Fahrzeugführer (Gruppenführer von diesem Fahrzeug) gibt weitere Informationen, die auf dem Einsatzzettel stehen.

01:31:47 Uhr
Wir biegen in die Strasse der Einsatzstelle ein. Bis zur Einsatzstelle sind es noch wenige Meter. Noch eine Rechtskurve bis zum Haus. Wir sehen wie bereits Flammen aus der Wohnung in der 5. Etage schlagen. Der Maschinist stoppt das Fahrzeug. Unser Löschfahrzeug kommt nicht weiter. Rücksichtslose Autofahrer haben jeden erdenklichen Zentimeter der Strasse zum Parken verwendet. Der Fahrzeugführer verlässt das Fahrzeug um sich einen Überblick zu verschaffen. Hinter uns reihen sich weitere Löschfahrzeuge ein. Wir setzen die Fahrt, langsamer als Schrittgeschwindigkeit, fort. Links und rechts von unserem Fahrzeug sind wenige Millimeter Platz. Der Maschinist leistet Höchstarbeit. Es gelingt ihm das Löschfahrzeug sicher zwischen den Hindernissen hindurch zu manövrieren.

01:35:23 Uhr
Wir treffen endlich an dem Haus ein. Der Fahrzeugführer verlässt zur Erkundung das Fahrzeug. Der Maschinist spring raus und bringt die Pumpe in gang.

01:36:00 Uhr
Die Pumpe läuft. Die Trupps steigen, nach erhalt Ihres Einsatzbefehle, aus.

01:36:10 Uhr
Die Wasserversorgung wird aufgebaut. Der Angriffstrupp hat sein Atemschutzgerät angeschlossen. Endlich hat der Angriffstrupp Wasser.

01:36:15 Uhr
Der Angrifftrupp betritt das Wohnhaus, während dessen rüstet sich der Wassertrupp mit Atemschutzgeräten aus. Die Trupps der nachfolgenden Löschfahrzeuge bauen eine stabile Wasserversorgung (vom Hydranten) auf.

01:38:52 Uhr
Der Angrifftrupp kämpft sich die Treppen hinauf bis in das 5. OG. Dort öffnet er die Wohnungstür und beginnt mit der Brandbekämpfung.

02:03:06 Uhr
Der Brand ist gelöscht. Die Luft in den Atemschutzgeräten des Angriffstrupps ist verbraucht und er muss die Wohnung verlassen. Der Wassertrupp übernimmt seine Aufgaben.

02:03:40 Uhr
Der Brandraum, sowie die restliche Wohnung wird nochmals gründlich nach Personen und Tieren abgesucht. Zum Glück negativ. Die Mieter konnten die Wohnung rechtzeitig verlassen.

02:03:40 Uhr
Das Treppenhaus wird mittels Drucklüftern belüftet. Die Aufräumarbeiten und Besichtigungen weiterer betroffener Wohnungen (Löschwasser und/oder Rauchschäden) beginnen.

03:30:11 Uhr
Nachdem nun auch alle Schläuche auf der Betreuungswache getauscht wurden sind wir wieder "zu Hause" auf unserer Wache.

04:01:02 Uhr
Das Fahrzeug ist wieder Einsatzbereit, Alle Atemschutzgeräte sind wieder fit, die Akkus der Funkgeräte getauscht und die Schläuche Einsatzbereit gerollt.

04:15:21 Uhr
Endlich zu Hause. Kurzer Blick nach der Familie. Nun unter die Dusche springen, etwas essen und fertig machen um auf Arbeit zu fahren. Um 14 Uhr ist ja schon Feierabend, evtl. kann ich dann etwas schlafen.


Wann immer sie über die Kameraden der Feuerwehren schimpfen, bitten denken sie daran, viele von uns machen diesen Job während Ihrer Freizeit freiwillig und gehen "nebenbei" noch einem bürgerlichen Beruf nach. Ich beziehe mich mit Absicht auf die Freiwilligen Feuerwehren, wenn auch es die Berufs-, und Werksfeuerwehren nicht leichter haben.



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